ShopAnalytics — SEO-Analyse ohne Agentur

Irgendwann saß ich vor dem monatlichen SEO-Report einer externen Agentur und habe mich gefragt, warum ich eigentlich auf jemand anderen warte, um zu verstehen, wie meine eigene Website performt. Die Daten kommen aus der Google Search Console, die Crawl-Ergebnisse könnte ich selbst auswerten, und die Empfehlungen am Ende des Reports waren im Grunde immer dieselben Textbausteine. Also habe ich angefangen, das selbst zu bauen. Daraus ist ShopAnalytics geworden — eine Desktop-App, die SEO-Analyse so aufbereitet, dass ich jederzeit selbst entscheiden kann, was als Nächstes zu tun ist.

Worum es geht

ShopAnalytics crawlt Websites, importiert Daten aus der Google Search Console und Google Analytics, analysiert Keywords, erkennt technische Probleme und generiert daraus priorisierte Handlungsempfehlungen. Das klingt erstmal nach viel — und ehrlich gesagt ist es das auch. Aber die Idee dahinter ist simpel: Alle SEO-relevanten Informationen sollen an einem Ort liegen, lokal auf meinem Rechner, ohne Abo, ohne Cloud, ohne dass ich mich bei fünf verschiedenen Tools einloggen muss.

Die App ist kein Spielzeug und kein Prototyp. Sie läuft produktiv, hat über 580 automatisierte Tests, und ich nutze sie selbst für meine Projekte. Alles wird lokal in einer SQLite-Datenbank gespeichert. API-Keys liegen verschlüsselt auf dem Rechner. Kein Server, kein Konto, keine Abhängigkeit von irgendeinem Drittanbieter — außer natürlich Google, wenn ich Search-Console-Daten importieren will.

Das Dashboard — der Einstiegspunkt

Wenn du ShopAnalytics öffnest, siehst du als Erstes das Dashboard. Sechs Score-Karten zeigen dir auf einen Blick, wo dein Projekt steht: Technische Qualität, Such-Sichtbarkeit, Inhaltsabdeckung, Interne Verlinkung, KI-Sichtbarkeit und Datenqualität. Jeder Score geht von 0 bis 100 und ist farblich codiert — du erkennst sofort, ob irgendwo etwas im Argen liegt, ohne dich durch Unterseiten klicken zu müssen.

Unterhalb der Scores zeigt das Dashboard die wichtigsten Empfehlungen und einen Aktivitätsverlauf. Und es gibt einen geführten Workflow, der dir vorschlägt, was der nächste sinnvolle Schritt wäre. Wenn du zum ersten Mal ein Projekt anlegst, führt dich das Dashboard durch den Prozess: erst crawlen, dann Search-Console-Daten importieren, dann analysieren. Das klingt offensichtlich, aber vielleicht kennst du das auch — man öffnet ein Tool und weiß erstmal nicht, wo man anfangen soll.

Analyse — was auf der Website passiert

Der Kern von ShopAnalytics ist der Crawler. Er geht deine Website durch, Seite für Seite, und sammelt dabei alles ein, was für SEO relevant ist: Titel, Meta-Descriptions, Canonical-Tags, Überschriftenstruktur, Schema.org-Markup, interne Links, Ladezeiten, Wortanzahl. Das Ergebnis ist eine vollständige Bestandsaufnahme deiner Website zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Es gibt auch eine Schnell-Analyse, die eine einzelne URL untersucht, ohne eine komplette Crawl-Session zu starten. Das ist praktisch, wenn du gerade eine Seite überarbeitet hast und schnell prüfen willst, ob die Basics stimmen — ohne fünf Minuten auf einen vollständigen Crawl zu warten.

Die Rankings-Ansicht zeigt dir, wie deine Seiten bei Google positioniert sind. Die Daten kommen direkt aus der Search Console — echte Positionen, echte Impressionen, echte Klickraten. ShopAnalytics speichert diese Daten als Snapshots, sodass du über die Zeit verfolgen kannst, ob sich eine Seite verbessert oder verschlechtert hat. Das ist einer der Punkte, die mich an externen Reports immer gestört haben: Die zeigen dir den aktuellen Stand, aber nie den Verlauf.

Keywords und SERP-Analyse

Keywords sind das Herzstück jeder SEO-Arbeit, und ShopAnalytics behandelt sie entsprechend ausführlich. Die App entdeckt Keywords aus drei Quellen: aus dem Crawl selbst, aus der Google Search Console und aus SERP-Daten. Jedes Keyword bekommt eine Relevanz- und Frequenzbewertung, und du kannst sie nach Themen filtern oder nach Potenzial sortieren.

Die Keyword-Analyse geht einen Schritt tiefer. Hier wählst du ein einzelnes Keyword aus und bekommst eine vollständige Auswertung: Welche Seiten ranken dafür bei Google? Wie sieht die SERP-Struktur aus — gibt es Featured Snippets, FAQ-Boxen, People-Also-Ask-Blöcke? Und vor allem: Passt deine eigene Seite zur Suchintention? Wenn Google für ein Keyword hauptsächlich Vergleichsartikel anzeigt und du eine Produktseite rankst, dann stimmt etwas nicht. ShopAnalytics erkennt genau solche Mismatches.

Die SERP-Visualisierung macht das Ganze greifbar. Du siehst die Suchergebnisseite so, wie Google sie strukturiert — mit allen Sonderformaten, die oberhalb oder zwischen den organischen Ergebnissen auftauchen. Das hilft enorm dabei zu verstehen, gegen wen und gegen was du eigentlich konkurrierst.

Wettbewerber im Blick

SEO passiert nicht im Vakuum. Was deine Wettbewerber machen, beeinflusst direkt, wo du selbst landest. ShopAnalytics lässt dich Wettbewerber-Domains anlegen und crawlen — allerdings nur im Speicher, ohne die Daten dauerhaft zu speichern. Das Ergebnis ist eine Keyword-Extraktion: Welche Begriffe nutzen deine Wettbewerber häufig, die du vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hast?

Die Keyword-Gap-Analyse zeigt dir dann den Unterschied: Keywords, für die deine Wettbewerber ranken und du nicht. Das ist oft der Moment, in dem einem auffällt, dass man ein ganzes Themenfeld komplett übersehen hat. Und manchmal ist es auch beruhigend — wenn die Lücke klein ist, macht man offenbar vieles richtig.

Optimierung — was zu tun ist

Die Maßnahmen-Seite ist wahrscheinlich der Bereich, in dem ich selbst am meisten Zeit verbringe. Hier laufen alle Erkenntnisse zusammen: technische Probleme aus dem Crawl, Keyword-Chancen aus der Search Console, Content-Lücken aus der SERP-Analyse, Verlinkungsprobleme aus dem Link-Graphen. Jede Empfehlung hat eine Priorität, die sich aus drei Faktoren berechnet — dem erwarteten Impact, der Umsetzbarkeit und der Konfidenz der Analyse. Du kannst nach Kategorien filtern: Technik, Keywords, Content, Links oder Datenqualität.

Die Interne-Links-Analyse verdient eine eigene Erwähnung, weil interne Verlinkung einer der am meisten unterschätzten SEO-Faktoren ist. ShopAnalytics berechnet einen internen PageRank für jede Seite — also wie viel „Linkgewicht“ sie von anderen Seiten bekommt. Wenn deine wichtigste Produktseite kaum intern verlinkt ist, siehst du das hier sofort. Dazu gibt es Vorschläge, welche Links du hinzufügen könntest, um das Gewicht besser zu verteilen.

Die 404-Analyse unterscheidet zwischen harten und weichen Fehlern. Harte 404er sind offensichtlich — die Seite gibt einen Statuscode 404 zurück. Weiche 404er sind tückischer: Die Seite antwortet mit Status 200, zeigt aber eigentlich nur eine generische Fehlerseite. ShopAnalytics erkennt das über SimHash-Vergleiche — wenn der Inhalt einer Seite dem einer bekannten 404-Seite zu ähnlich ist, schlägt es Alarm.

Und dann gibt es noch den Opportunity Radar. Der sucht gezielt nach Quick Wins: Keywords, für die du auf Position 5 bis 20 stehst. Das sind die Begriffe, bei denen eine kleine Verbesserung — ein besserer Titel, ein zusätzlicher Absatz, ein interner Link — den Unterschied zwischen Seite zwei und den Top 5 machen kann. Der Radar schätzt sogar den möglichen Traffic-Gewinn, damit du weißt, wo sich der Aufwand am meisten lohnt.

Monitoring — was sich verändert

SEO ist kein Einmal-Projekt. Rankings verändern sich, Google passt seinen Algorithmus an, Wettbewerber optimieren ihre Seiten. ShopAnalytics überwacht diese Veränderungen auf mehreren Ebenen.

Die Events-Seite zeigt dir automatisch erkannte Veränderungen: Ranking-Gewinne oder -Verluste, neue technische Probleme, aufgetauchte Chancen. Jedes Event bekommt einen Impact-Score und eine Konfidenz, damit du einschätzen kannst, wie ernst du es nehmen solltest. Das System korreliert Ranking-Veränderungen mit Änderungen an deiner Website — wenn du letzte Woche einen Titel geändert hast und diese Woche das Ranking fällt, zeigt dir ShopAnalytics diesen Zusammenhang.

Der Algorithmus-Monitor geht noch einen Schritt weiter. Er analysiert drei Signale gleichzeitig: Ranking-Volatilität, Verschiebungen in der SERP-Struktur und Veränderungen bei den Ranking-Faktoren. Wenn alle drei Signale gleichzeitig ausschlagen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Google etwas an seinem Algorithmus gedreht hat. Das ist keine Garantie — aber es ist ein deutlich besserer Indikator als das Bauchgefühl, mit dem die meisten SEOs arbeiten.

Die Verlauf-Ansicht ermöglicht dir, zwei beliebige Snapshots zu vergleichen. Was hat sich zwischen dem Crawl von letzter Woche und dem von heute verändert? Welche Seiten sind dazugekommen, welche weggefallen? Haben sich Überschriften oder Meta-Descriptions geändert? Das klingt nach einer simplen Funktion, aber sie ist Gold wert, wenn du nach einem Relaunch oder einer größeren Content-Änderung nachvollziehen willst, was genau anders ist.

Und dann gibt es noch die KI-Sichtbarkeit — ein Bereich, den die meisten SEO-Tools komplett ignorieren. Google baut seine Suche zunehmend um generative KI herum. ChatGPT, Gemini, Perplexity — all diese Systeme ziehen ihre Antworten aus dem Web, und ob deine Inhalte dabei berücksichtigt werden, hängt von Faktoren ab, die sich von klassischem SEO unterscheiden. ShopAnalytics bewertet zwölf Signale: FAQ-Strukturen, fragenbasierte Überschriften, Schema.org-Markup, Inhaltstiefe, E-E-A-T-Signale und mehr. Das Ergebnis ist ein Score, der dir sagt, wie gut deine Seiten für KI-gestützte Suchsysteme aufgestellt sind.

Die KI-Unterstützung

ShopAnalytics nutzt Sprachmodelle für Aufgaben, die sich mit reiner Datenanalyse nicht gut lösen lassen. Die Keyword-Intelligenz zum Beispiel — wenn du wissen willst, welche Themen zu einem Keyword gehören, welche Schwächen dein Content hat oder wie ein optimaler Seitenaufbau aussehen könnte, dann hilft eine KI-Analyse mehr als eine Frequenztabelle.

Du kannst zwischen fünf Anbietern wählen: Ollama für lokale Modelle ohne Internetverbindung, Google Gemini und Groq für kostenlose Kontingente, oder Claude und ChatGPT, wenn du einen der großen Anbieter bevorzugst. Alle API-Keys werden lokal gespeichert und über die Windows-eigene DPAPI verschlüsselt. ShopAnalytics schickt keine Daten an irgendeinen Server, den du nicht selbst konfiguriert hast.

Daten und System

Hinter den Analyse-Funktionen gibt es einen Bereich, der sich um die Daten selbst kümmert. Die Datenqualitäts-Ansicht prüft, ob die verschiedenen Quellen — Crawl-Daten, Search-Console-Daten, Analytics-Daten — zueinander passen. Wenn der Crawler eine URL kennt, die in der Search Console nicht auftaucht, oder umgekehrt, dann weist ShopAnalytics darauf hin. Das klingt nach einem Randthema, aber ehrlich gesagt hat mir die Datenqualitäts-Prüfung schon mehrfach gezeigt, dass meine Analyseergebnisse auf unvollständigen Daten basierten.

Der Entity Graph visualisiert Zusammenhänge zwischen Keywords als Wissensgraph. Welche Begriffe gehören thematisch zusammen? Wo gibt es Überschneidungen, wo Lücken? Das hilft bei der Content-Planung — wenn du siehst, dass ein ganzer Themencluster nur durch zwei Artikel abgedeckt ist, weißt du, wo du nacharbeiten solltest.

Und der PDF-Export erzeugt einen vollständigen Report mit allen Kennzahlen, Diagrammen und Empfehlungen. Konfigurierbarer Zeitraum, sauberes Layout. Das ist der Report, den ich früher von der Agentur bekommen habe — nur dass ich jetzt selbst entscheide, was drinsteht.

Wie es gebaut ist

ShopAnalytics ist mit C# und .NET 10 gebaut, die Oberfläche nutzt WinUI 3. Die Architektur folgt einem strikten Modulprinzip: 22 Feature-Module, die jeweils nur vom Kern abhängen, aber nie voneinander. Das bedeutet, dass ich die Keyword-Analyse erweitern kann, ohne Gefahr zu laufen, dabei den Crawler zu beschädigen. Jedes Modul hat seine eigene Zuständigkeit, seine eigenen Tests und seinen eigenen Serviceeinstieg.

Die Datenhaltung übernimmt SQLite über Entity Framework Core. Alles liegt in einer einzigen Datei im lokalen App-Ordner. Die Oberfläche folgt dem MVVM-Pattern — ViewModels steuern die Logik, die XAML-Pages binden sich an die Properties, kein Code-Behind. Der Crawler arbeitet asynchron, respektiert Robots.txt und lässt sich in Geschwindigkeit und Tiefe konfigurieren.

Über 580 Tests sichern die Analysealgorithmen ab. Scoring-Formeln, Ranking-Berechnungen, Duplikat-Erkennung, Event-Logik — all das wird automatisiert geprüft. Das ist kein akademischer Anspruch, sondern Notwendigkeit: Wenn ein Score-Algorithmus falsch rechnet, triffst du falsche Entscheidungen. Und das merkst du erst, wenn es zu spät ist.

Warum kein Online-Tool?

Es gibt Dutzende SEO-Tools im Web. Manche davon sind richtig gut. Aber sie alle haben dasselbe Problem: Du gibst deine Daten aus der Hand. Deine Keywords, deine Rankings, deine Schwächen — alles liegt auf fremden Servern. Dazu kommt das Abo-Modell: Fünfzig, hundert, zweihundert Euro im Monat, je nachdem, wie viele Keywords du tracken willst.

ShopAnalytics kostet nichts, speichert alles lokal und gehört dir. Die Analysen sind deterministisch und reproduzierbar — derselbe Input ergibt immer dasselbe Ergebnis. Keine Black Box, kein „Trust us, our algorithm says so“. Wenn ein Score nicht passt, kann ich in den Code schauen und nachvollziehen, warum er so berechnet wird. Das ist ein Luxus, den kein SaaS-Tool bieten kann.