Teilzeit in der IT ist kein Nachteil
Warum ist Teilzeit in der IT eigentlich immer noch so exotisch? Für viele Führungskräfte scheint „mehr Stunden gleich mehr Leistung“ immer noch die Default-Annahme zu sein. Aber gerade in der Softwareentwicklung ist die wichtigste Ressource nicht die Zeit — sondern die Konzentration.

Was die Studien zeigen
Beim weltweit größten Pilotprojekt zur Vier-Tage-Woche in Großbritannien haben 2022 insgesamt 61 Unternehmen ihre Arbeitszeit bei gleichbleibendem Gehalt um 20 Prozent reduziert. Die Produktivität blieb nicht nur erhalten — viele Firmen berichteten sogar von Verbesserungen bei Mitarbeiterzufriedenheit, Recruiting und Gesundheit. Die meisten führten das Modell dauerhaft fort.
Weniger Stunden bedeuten nicht automatisch weniger Output — wenn sich Strukturen und Fokus verbessern. Das zeigen auch andere Studien: Remote- und flexible Arbeitsformen gehen häufig mit höherer Zufriedenheit und besserer Leistung einher, weil Mitarbeitende weniger Zeit mit Pendeln, Unterbrechungen und organisatorischen Bruchstellen verbringen.
Konzentration statt Anwesenheit
In der Full-Stack-Entwicklung geht es nicht darum, „mehr zu sitzen“. Es geht darum, komplexe Probleme wirklich zu verstehen, Lösungen zu durchdenken und sauber umzusetzen. Das passiert in den ersten Stunden hochkonzentrierter Arbeit — nicht in der achten oder neunten.
Jeder Entwickler kennt den Zustand, in dem man nach sechs Stunden intensiver Arbeit am Bug sitzt und merkt: Der Kopf ist leer. Man starrt auf den Code, aber die Verbindungen im Gehirn sind weg. Man macht weiter, weil die Uhr sagt, man muss. Aber was in den nächsten zwei Stunden entsteht, verursacht morgen den nächsten Bug.
Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist Neurologie. Kognitive Leistung ist endlich. Wer das ignoriert und stattdessen auf Anwesenheit optimiert, bekommt mehr Stunden — aber nicht mehr Qualität.
Teilzeit ist kein Nachteil
Ich arbeite 25 Stunden in der Woche. Vier Tage, konzentriert, mit klaren Prioritäten. Die Alternative wäre 40 Stunden, davon zehn mit Meetings, fünf mit Pendeln und fünf mit dem Versuch, den Faden wiederzufinden, den mir das letzte Meeting geraubt hat.
Teilzeit in der IT ist kein Produktivitätsnachteil. Sie ist oft schlichtweg effizienter, nachhaltiger und qualitativ besser.
Die Frage ist nicht, ob Entwickler weniger arbeiten sollten. Die Frage ist, ob wir endlich aufhören, Anwesenheit mit Leistung zu verwechseln.