Warum der Weg über Recruiter selten passt

Die meisten Anfragen, die ich über LinkedIn bekomme, kommen über Recruiter. Und ich merke immer wieder, dass es dabei oft mehr um das schnelle Besetzen einer Stelle geht als um die tatsächliche Passung. Arbeitsmodell, echte Anforderungen, Entscheidungswege — das alles bleibt häufig erstaunlich vage.

Stille-Post-Kette mit verblassenden Sprechblasen — Informationsverlust zwischen Unternehmen, Recruiter und Kandidat

Das Passung-Problem

Für sehr klar umrissene Rollen mag das Recruiter-Modell funktionieren. Senior Java Developer, 5 Jahre Erfahrung, Spring Boot, AWS — das lässt sich abgleichen. Aber für jemanden, der Full-Stack, Infrastruktur, Prozesse und Verantwortung in einer Person vereint, wird es schwierig. Mein Profil passt in keine Schablone.

Das liegt nicht daran, dass Recruiter schlecht arbeiten. Viele sind engagiert und professionell. Es liegt daran, dass das Modell auf Matching basiert — und Matching braucht klare Kategorien. Wer quer denkt, quer arbeitet und quer durch den Stack baut, fällt durch das Raster. Nicht weil die Kompetenz fehlt, sondern weil die Schublade fehlt.

Zwischenstationen statt Direktkontakt

Was mich am meisten stört: Die wirklich wichtigen Fragen kann ein Recruiter oft nicht beantworten. Wie wird dort wirklich gearbeitet? Wer trifft die technischen Entscheidungen? Wie sieht der Alltag aus? Stattdessen bekomme ich Buzzwords, Benefits-Listen und die Versicherung, dass das Team „super aufgestellt“ ist.

Die wirklich guten Gespräche entstehen nicht über Vermittlung. Sie entstehen direkt — mit den Menschen, die genau wissen, was sie brauchen und wie bei ihnen gearbeitet wird. Kein Stille-Post, kein Interpretationsspielraum, kein Informationsverlust über drei Zwischenstationen.

Direkter Austausch statt Vermittlung

Ich bin offen für neue Aufgaben. Aber am liebsten im direkten Austausch mit Entscheidern. Nicht weil ich Recruiter umgehen will, sondern weil der direkte Weg für beide Seiten besser funktioniert. Ich verstehe schneller, ob es passt. Und mein Gegenüber auch.

Nicht jede Stelle passt zu jedem Lebens- und Arbeitsmodell. Und das ist völlig in Ordnung.

Vielleicht braucht es im IT-Recruiting weniger Matching-Algorithmen und mehr echte Gespräche. Denn gute Zusammenarbeit beginnt nicht mit einem Profil-Abgleich — sondern mit Verständnis.