KI ersetzt keine Programmierer
In letzter Zeit liest man überall: Softwareentwicklung steckt in der Krise. Entwickler werden abgelöst. KI ist der neue Entwickler. Und jedes Mal schüttele ich beim Lesen den Kopf. Nicht aus Trotz, sondern weil ich das schlicht für falsch halte. Ich programmiere seit über 30 Jahren und habe viele Veränderungen miterlebt. KI ist eine davon — aber sie ist nicht das Ende.

Veränderung ist nicht neu
Manchmal werde ich müde belächelt, wenn ich erzähle, dass ich PHP noch als reine Skriptsprache kennengelernt habe. Aber das ist ein anderes Thema. Was ich in all den Jahren beobachtet habe: Manche kamen mit neuen Technologien sehr gut zurecht, andere schwerer — und einige sind auf der Strecke geblieben. Das war nie anders. Jede größere Umstellung bringt genau das mit sich, ganz egal in welchem Bereich.
KI verändert das Programmieren. Das ist Fakt. Aber KI ersetzt keine Programmierer. Zumindest nicht absehbar — und ganz sicher nicht so, wie es aktuell oft dargestellt wird.
Verstehen statt konsumieren
Programmieren bedeutet für mich nicht, Code-Schnipsel zusammenzukopieren. Es bedeutet, Code zu verstehen. Ich nutze KI selbst sehr intensiv beim Entwickeln, und ja, sie hat meine Arbeit verändert. Aber ich merke auch sehr schnell, wo ihre Grenzen liegen.
Je komplexer ein Programm oder ein Problem wird, desto weniger zuverlässig wird der erzeugte Code. Spätestens dann zählt das eigene Verständnis. Lesen zu können, was der Code tut. Zu verstehen, warum er so funktioniert. Zusammenhänge zu erkennen. Genau hier zeigt sich, wer programmieren kann — und wer nur glaubt, es zu können.
Code denken
Ich „denke“ Code. Das klingt vielleicht komisch, ist aber genau das, was passiert. Wenn ich in einem Meeting sitze und ein neues Projekt besprochen wird, entsteht in meinem Kopf bereits ein kleines Programm. Datenstrukturen, Abläufe, mögliche Stolperstellen — alles formt sich, noch bevor jemand ein Ticket anlegt. Und dadurch weiß ich sehr früh, ob etwas realistisch umsetzbar ist oder nicht.
Diese Fähigkeit entsteht nicht durch Prompts. Sie entsteht durch jahrelanges Arbeiten mit Code. Durch Debugging-Sessions um drei Uhr morgens. Durch Systeme, die man gebaut, gewartet und irgendwann auch begraben hat. Durch die tausend kleinen Fehler, die man selbst gemacht und selbst gefunden hat.
KI ist ein mächtiges Hilfsmittel. Aber ohne eigenes Verständnis wird sie zum reinen Kopierwerkzeug.
Wenn die Blase platzt
Irgendwann lernt KI nur noch von sich selbst, weil immer mehr Code von KI erzeugt wird. Spätestens dann platzt die Blase — und genau dann ist programmiertechnisches Denken gefragt. Dann werden viele auf der Strecke bleiben. Nicht wegen KI. Sondern weil sie sich zu sehr auf sie verlassen haben.
KI ersetzt keine Programmierer. Sie trennt nur schneller die, die es können, von denen, die es nie wirklich konnten.
Die Zukunft gehört nicht den Prompt-Ingenieuren. Sie gehört denen, die verstehen, was der Code tut — mit oder ohne KI.