Warum ich mich trotz vieler Jobanfragen nicht bewerbe

Ich bekomme aktuell viele Jobanfragen über LinkedIn. Die klingen oft ähnlich: „Remote vermutlich möglich, 1 Tag Homeoffice, Büro nur 70 km entfernt.“ Und ich frage mich jedes Mal: Warum sollte ich mich darauf bewerben?

Stapel gleichförmiger Jobangebote neben einem ruhigen Remote-Arbeitsplatz mit zwei Monitoren

Ich arbeite 100 % remote, in 60 % Teilzeit — 25 Stunden auf vier Tage verteilt. In meiner Firma bin ich der einzige ITler. Full-Stack, Infrastruktur, Prozesse: einmal quer durch alles, was anfällt. Ja, das Gehalt könnte mehr sein. Aber ich habe etwas, das in vielen Stellenangeboten überhaupt nicht auftaucht: echte Ruhe zum Arbeiten.

Was kein Gehaltsrechner abbildet

Keine Pendelzeit. Kurze Wege in Entscheidungen. Vertrauen statt Kontrolle. Ich kann fokussiert arbeiten, ohne alle paar Minuten aus dem Gedanken gerissen zu werden. Ich verliere keine Lebenszeit im Auto oder Zug. Und ich habe eine Arbeitsweise gefunden, die für mich nachweislich funktioniert.

Das sind keine weichen Faktoren. Das sind handfeste Produktivitätsvorteile. Mehr Geld gleicht keine verlorene Lebenszeit aus. Und 40 Stunden Anwesenheit gleichen keine 25 Stunden konzentrierte Arbeit aus.

Die Frage, die Unternehmen sich stellen sollten

Wenn ein erfahrener Entwickler ein Angebot ablehnt, liegt das selten am Geld. Es liegt daran, dass das Angebot eine Arbeitsweise voraussetzt, die längst überholt ist. Fünf Tage Büro, Präsenzkultur, „Flexibilität“ als Synonym für „manchmal darfst du von zuhause arbeiten“.

Vielleicht müssten wir im IT-Arbeitsmarkt weniger über Fachkräftemangel sprechen — und mehr über zeitgemäße Arbeitsmodelle. Denn die Fachkräfte sind da. Sie arbeiten nur nicht dort, wo man sie mit Konzepten von 2015 sucht.

Die besten Entwickler suchen keine Jobs. Sie suchen Bedingungen, unter denen sie gute Arbeit leisten können.

Wer die richtigen Leute will, muss aufhören, Stellen auszuschreiben — und anfangen, Arbeitsbedingungen anzubieten, die zu den Menschen passen, die man sucht.